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IZBICA (2007)
 Drehkreuz des Todes

Autoren: Wolfgang Schoen und Frank Gutermuth

IZBICA (2007)

IZBICA (2007)

Izbica in Ostpolen. In dem ehemaligen kleinen Schtetl unweit von Lublin lebten 1939 über 80 Prozent Juden – heute gibt es kein jüdisches Leben mehr. Dieses Dorf ist mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte für immer untrennbar verknüpft: 1942 wird es von der SS zum „Durchgangsghetto“ erklärt, Izbica wird damit zu einem „Vorhof der Vernichtung“. Zehntausende Juden aus ganz Europa werden von hier aus in die Todeslager im Osten deportiert, Tausende bereits in Izbica selbst ermordet. Hier kreuzen sich die Schicksale von Verfolgten, Flüchtlingen und ihren Peinigern.

Es sind vor allem die Lebenswege zweier Menschen, die die Tragödie dieses kleinen Ortes widerspiegeln: Grzegorz Pawlowski und Thomas Blatt.

Pawlowski ist heute katholischer Priester im israelischen Jaffa. Nur mit Hilfe eines gefälschten katholischen Taufscheins gelingt ihm damals die Flucht in Izbica, seine Familie und die über alles geliebte Mutter lässt er zurück. Noch heute scheint er sich schuldig zu fühlen, den Holocaust überlebt zu haben. Pawlowski will, das ist sein Lebensziel, nach seinem Tod auf den jüdischen Friedhof von Izbica zurückkehren – dorthin, wo seine Mutter bei einem Massaker ermordet wurde. 1970 hat er deshalb bereits einen Grabstein für sich aufstellen lassen. Der polnische Oberrabbiner Michael Schudrich, der sich für die Restaurierung geschändeter und zerstörter jüdische Friedhöfe einsetzt, kann in Izbica nur schwerlich den Grabstein eines Katholiken akzeptieren. Pawlowski macht sich noch einmal auf die Reise nach Izbica, um sich mit der Vergangenheit zu konfrontieren und diesen Konflikt zu klären.

Blatt muss als kleiner Junge dem skrupellosen Gestapochef von Izbica, Kurt Engels, dienen und sich um sein Motorrad kümmern. Das schützt ihn – bis er mit seiner Familie doch in das Vernichtungslager Sobibor deportiert wird. Als einer von wenigen überlebt er. Nach dem Krieg lässt ihn das mörderische Handwerk von Engels nicht los. Er spürt ihn in Hamburg auf und hilft den deutschen Behörden bei dessen Verhaftung. Thomas Blatt berichtet in Izbica von der Schreckensherrschaft Engels und kommt noch einmal nach Hamburg, auch um das Grab von Kurt Engels zu finden und mit der Geschichte leben zu können.

Erst 2006 kann endgültig belegt werden, dass Kurt Engels das Gestapo-Gefängnis – heute ein Gebäude des örtlichen Polizeipostens – mit jüdischen Grabsteinen des örtlichen Friedhofs errichten ließ. Ein bislang einzigartiger Fall in der Geschichte des Nationalsozialismus. Thomas Blatt, aber auch Halina Blaszczyk, die als junges Mädchen Juden in Izbica geholfen hat, haben davon berichtet. Dokumentiert wird das behutsame Abtragen der Grabsteine und ihre würdevolle Rückführung auf den jüdischen Friedhof von Izbica. Unter der Schirmherrschaft des deutschen Botschafters in Polen ist dort mit den damals von Deutschen geschändeten Steinen eine eindrucksvolle Gedenkstätte entstanden. Damit kommen zumindest die Toten zur Ruhe.

gefördert durch die
Kulturstiftung des Bundes

 

 

 

 

 





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