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GLADIO - Geheimarmeen in Europa (2011)
 Geheimarmeen in Europa

Autoren: Wolfgang Schoen und Frank Gutermuth

 

 


 

 


 


GLADIO

GEHEIMARMEEN DER NATO

Italien – Bologna

An einem sonnigen Samstagmorgen, am Morgen des 2. August 1980 detoniert um 10.25 Uhr eine in einem abgestellten Koffer versteckte Zeitbombe in einem gut besuchten Wartesaal des Bahnhof Central in Bologna. Die kilometerweit zu hörende Explosion zerstört einen Großteil des Hauptgebäudes, das Dach des Wartesaals bricht zusammen und begräbt wartende Fahrgäste unter sich. 86 Menschen sterben, weit über 200 werden z.T. schwer verletzt. Vorläufiger Höhepunkt einer Anschlagsserie, die ab 1969 Italien immer wieder erschütterte.

Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Francesco Cossiga und die Polizei machen schnell die militanten linksradikalen Roten Brigaden für den Bombenanschlag aus. Als führender Repräsentant der konservativen Democrazia Cristiana steht Cossiga für den Wertekanon Katholizismus und Antikommunismus. Doch bei späteren Ermittlungen wird sich zeigen: Italienische Geheimdienstkreise und Rechte waren hier am Werk, gedeckt vom Staatsapparat. Ein Einzelfall?

GLADIO – Geheimarmeen der NATO im Kalten Krieg

Im Juni 1948 hatte der amerikanische Präsident Truman ein Multi-Millionen-Programm des Nationalen Sicherheitsrates zur Finanzierung von „verdeckten Operationen“ gebilligt. Wenn es um die Eindämmung der kommunistischen Einflusssphäre in Europa ging, war den amerikanischen Geheimdiensten jedes Mittel recht und billig. Auf Initiative der CIA begann unter der militärischen Befehlsgewalt der geheimen Kommandostelle Allied Clandestine Comittee im NATO-Hauptquartier SHAPE in Paris der (west)europaweite Aufbau von Geheimarmeen unter dem Namen GLADIO (vom lateinischen Gladius: Schwert). Agenten wurden angeworben und ausgebildet, um im Falle einer sowjetischen Invasion bzw. später durch Truppen des Warschauer Paktes Sabotageakte und Guerillaoperationen durchführen zu können. So genannte „Stay-Behind-Operations“, die hinter den feindlichen Linien durchgeführt werden sollten. Dazu gehörte auch das Anlegen von Waffendepots für den Ernstfall. Die Agenten stammten aus Geheimdiensten, militärischen Spezialeinheiten und rechtsextremen Kreisen. Doch GLADIO hat noch andere Aufgaben: die Bekämpfung kommunistischen Einflusses im Inland.

1990: GLADIO wird aufgedeckt –ein politischer Erdrutsch in Europa
Nur einem Zufall sind diese Fakten zu verdanken: Bei der Aufklärung eines Attentats deckt der italienischer Untersuchungsrichter Felice Casson die Existenz von GLADIO in Italien auf. 1990 gibt der italienische Ministerpräsident Andreotti unter dem Druck einer einsetzenden parlamentarischen Untersuchung an, dass GLADIO auch in allen europäischen Nato-Staaten existierte. Dies löst europaweit einen politischen Skandal aus. Nach dem Zerfall der Sowjetunion fanden diese Geheimarmeen vermutlich ihr vorläufiges Ende. Fast vier Jahrzehnte haben sie aber ohne jegliche parlamentarische Kontrolle agiert.

Das Europäische Parlament fordert in einer Resolution vom November 1990 die NATO sowie alle Mitgliedstaaten auf, die Beteiligung von GLADIO-Strukturen an Terroraktionen umfassend aufzuklären und Untersuchungsausschüsse einzurichten. Aber trotz aller Empörung kommt es nur in Italien, Belgien und der Schweiz zu parlamentarischen Untersuchungen.

Unser Blick wird sich auch auf Deutschland und Frankreich richten, um die internationale Dimension von GLADIO und die Verbindungen deutlich zu machen. Wir zeigen die Indizien, dass GLADIO auch in diesen Ländern tätig und in terroristische Aktivitäten verstrickt war. Die von uns gesammelten Indizien belegen, wie wichtig ein Untersuchungsausschuss ist, um in vielen Fällen endgültig Klarheit zu bekommen. Dort ist aber auch zu klären, was nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem damit einhergehenden Ende von GLADIO mit den Waffen und Agenten geschehen ist. Das gilt auch für die Frage, aus welchem politischen Interesse heraus bislang eine umfassende Aufklärung verhindert worden ist.

 

 





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